Sicherlich kennst Du diese Werbeeinzeigen, die vorwiegend auf Social-Media-Kanälen kursieren und stets in etwa so lauten:

Automatisierte Umsätze als Coach, Trainer, Berater” oder “Permanenter Geldstrom durch automatisierten Salesfunnel”

Das Versprechen, als Coach, Trainer, Berater, kurzum als “Wissensarbeiter” sein Geld nicht dadurch zu verdienen, dass man Zeit gegen Geld tauscht (Stundenhonorar), sondern sein Wissen skaliert und multipliziert verkauft, ist extrem verlockend.

Letzten Endes machen das ja z.B. Softwarefirmen oder Filmstudios genauso: Sie produzieren einmal etwas Substanzielles für viel Geld und verkaufen es dann millionenfach für viel Geld bei minimalem Einsatz.

So soll das System der automatisierten Umsätze für Coaches, Trainer oder Berater funktionieren

Schaut man sich die kursierenden Angebote genauer an, so folgen sie im Großen und Ganzen immer dem gleichen Muster:

  • Du digitalisierst Dein Wissen – also Du erstellst WIssensvideos, Bücher und Kursunterlagen
  • Du lockst Kunden auf Deine Website, die dann Abonnements Deines Wissens kaufen oder ein Einmalprodukt, z.B. einen Videokurs
  • Die gesamte Abwicklung ist automatisiert (Downloadshop) und während Du an einem Strand in der Karibik an einem Longdrink nuckelst, fliegen die Millionen nur so bei Dir rein

Der Teufel dieses Systems liegt im Detail

Das oben beschriebene Szenario ist zweifelsfrei sexy für Wissensarbeiter, aber funktioniert das wirklich so einfach ?

Werfen wir mal einen Blick auf die einzelnen Bestandteile dieses Systems:

Wissen digitalisieren

Zunächst musst Du ja mal ein verkaufsfähiges digitales Produkt erstellen, z.B. einen Videokurs. Selbst wenn ich mal unterstelle, dass Du das heutzutage mit dem technisch geringsten Aufwand hinbekommen kannst (Smartphone, einfache Beleuchtungssysteme, einfaches Mikrofon…), so musst Du doch ein so anspruchsvolles Gesamtprodukt erstellen, dass Du Dich nicht schämen musst, wenn Du dafür Geld verlangst (meist so zwischen 50 EUR und 300 EUR).

Das heißt: Du musst zunächst einmal wochenlang einen Kurs konzeptionieren und dann digitalisieren und zwar so, dass das alles am Ende tip-top ist.

Dazu gehören Skripte, Videoschnitt und vielleicht die Einrichtung eines Onlinekurssystem wie Moodle u.s.w.

Besucher auf Deine Website locken – in großer Zahl

Hast Du Dein Wissen im ausreichenden Maße digitalisiert und zusammengestellt und Deine Website als Downloadshop oder als Abonnementsystem eingerichtet und alles vorbereitet, musst Du eine ausreichend große Zahl an Interessenten auf Deine Website bekommen, damit am Ende eine ausreichend große Zahl an Verkäufen stattfindet.

Dazu brauchst Du ein funktionierendes Set an Werbemaßnahmen.

Wenn Du davon ausgehst, dass letzten Endes eine Anzahl von Websitebesuchern im einstelligen Prozentbereich Dein Angebot annimmt, kannst Du selbst mal kurz ausrechnen, wie viele Besucher Deine Website in einem bestimmten Zeitraum haben muss, damit sich das für Dich rentiert.

Gehe doch mal z.B von 1% netto aus – also dem Verhältnis Websitebesucher zu Verkäufen (was vermutlich viel zu hoch gegriffen ist).

Aber nehmen wir mal an es klappt und es kaufen tatsächlich 1% Deiner Websitebesucher bei Dir einen Kurs und Du machst z.B. 300,00 EUR Umsatz je Verkauf damit….

Wieviel hat Dich es gekostet, dass 100 Websitebesucher auf Deine Website gelangt sind ?

Das kann man natürlich nicht so genau vorhersagen, aber wahrscheinlich hast Du mehrere dieser Optionen dafür eingesetzt:

Google Adwords Anzeigen geschaltet

Facebook Anzeigen geschaltet

Den genauen Preis per Klick kann man nicht vorhersagen, aber grundsätzlich gilt: Je umkämpfter ein Markt ist, desto teurer sind die Klicks.

Wenn ich mal – realistisch aus meiner eigenen Erfahrung – davon ausgehe, dass Dich ein Klick über eine Adwords Anzeige rund 3,00 EUR kostet (was schon sehr tief gegriffen ist), dann hast Du bereits 300,00 EUR ausgegeben, wenn 100 Besucher auf Deine Website gelangen.

Du erinnerst Dich: Im angenommenen Fall kauft 1% der Besucher Deinen Kurs.

Wenn Du also jetzt einen Kurs für 300,00 EUR verkaufst, hast Du genau nichts verdient.

Also brauchst Du ein viel höherpreisiges Produkt, damit Dein System funktioniert, oder ein Verkaufssystem, das Dir eine viel höhere Abschlussrate bringt, oder günstigere Klickpreise.

Klickpreise haben aber aktuell die Tendenz eher zu steigen und der Preis für ein Produkt kann auch nicht beliebig hoch sein, wenn es noch verkaufsfähig sein soll.

Rechne einfach selbst mal nach, wo Dein Break-Even liegt: Ab welcher Ausgabe für Klicks auf Deine Website für welchen Umsatz lohnt sich Dein System UND wie viel darf Dein Endprodukt noch kosten, damit es marktfähig ist ?

Ich bin sicher, dass der Aufwand, den Du dafür betreiben musst, dass so viele Besucher auf Deine Website kommen, dass Du viele Deiner Digitalprodukte rentabel verkaufen kannst, total unterschätzt wird. Bis heute muss ich vielen meiner Kunden erst einmal erklären, dass es einfach ist, eine Website zu erstellen, aber extrem schwierig ist, Besucher in großer Zahl darauf zu kriegen.

Letztlich brauchst Du einen permanenten, gigantisch großen Strom mehrerer tausend Websitebesucher, damit das alles rentabel für Dich ist.

Weitere Bestandteile des Salesfunnels / Klickfunnels

Die Propagandisten der so genannten “Klickfunnelsysteme” haben natürlich noch viele weitere Tricks auf Lager, die es Deinen Kunden schmackhaft machen sollen, sich an Dich zu binden und nach und nach zu deinen Kunden zu werden:

Freebie

Der Klassiker: Ein Besucher Deiner Website (der über eine Deiner Anzeigen auf diese galangt ist), darf sich “kostenlos” einen Leitfaden herunterladen mit den “10 geheimen Tipps für mehr Kunden” oder so was.

Im Gegenzug muss er seine E-Mailadresse bei Dir lassen, damit Du ihn künftig über Deine “wertvollen Angebote informieren kannst”.

An der Stelle sei erwähnt, dass dieser Variante wegen des so genannten “Kopplungsverbotes” gesetzlich starke Riegel vorgeschoben wurden. Es aus meiner Sicht zu erwarten, dass auf diese Art des Marketings in der nächsten Zeit sturzregenartig Abmahnungen herabprasseln werden.

E-Mailmarketing

Nehmen wir mal an, Du hast es wirklich geschafft, Kunden, die noch nicht kaufen wollten, ihre E-Mailadresse legal abzuluchsen und sie haben sich ausdrücklich bereit erklärt, dass Du ihnen auch Werbeemails zusenden darfst….

Was schickst Du ihnen denn dann ?

Kannst Du dauerhaft so geile Newsletter verfassen, dass sich Deine in den E-Mailverteiler eingetragenen Kunden auch wirklich informiert fühlen ?

Was ist mit denen, die gleich wieder abspringen ?

Bei der Gelegenheit: Denke bitte daran, die Einwilligung dazu spätestens alle zwei Jahre zu erneuern (unterhalte Dich darüber am besten mal mit einem Juristen, der es gut mit Dir meint).

Niederschwellige Einstiegsangebote

Ok, Du hast es wirklich geschafft, legal einen ausreichend großen E-Mailverteiler aufzubauen und nun ?

Wie werden die Leute, denen Du permanent sagenhaft brillante Newsletter schickst zu zahlenden Kunden für Dein Abo oder Deine Videokurse ?

Ein niedrigschwelliges Angebot muss her: Also suchst Du Dir diejenigen raus, die nun schon drei Mal einen Newsletter von Dir erhalten haben und bietest ihnen an, den Kurs, der sonst 300 EUR kostet NUR HEUTE und NUR WEIL SIE ES SIND für 95,00 EUR zu kaufen.

Ein kleiner Prozentsatz Deines unendlich großen und qualifizierten E-Mailverteilers ist von dem Angebot total berauscht und schlägt jetzt zu !

Landingpages, Newsletter, Videokurse, Facebook-Ads, Google-Adwords, Afiliate, Konkurrenz… lohnt sich der Aufwand ?

Natürlich bedienst Du Dich weiterer cleverer Methoden, um Besucher auf Deine Website zu locken: Neben den schon genannten Anzeigenschaltungen vertreibst Du Dein Angebot auch noch über Afiliate-Netzwerke und für jedes einzelne Angebot baust Du so unwiderstehliche Landingpages, dass die Besucher Deiner Website gar nicht mehr anders können, als bei Dir einen Kurs zu kaufen.

Strand, Cocktails ….. ich komme – der Privatjet ist schon getankt und abflugbereit !

Halt, da war doch noch was…. ach ja: Die Konkurrenz…. leider bist Du nicht das einzige Genie auf Erden und das, was Du in Deiner Coachingausbildung gelernt hast, haben andere auch gelernt und ein paar Deiner Kolleginnen und Kollegen haben auch mal auf so eine Anzeige bei Facebook geklickt, in der ihnen das “Neuartige Umsatzautimatisierungssystem” schmackhaft gemacht wurde.

Wollen Coachingkunden wirklich Onlinekurse ?

Bei all dem Aufwand den Du betreiben musst und selbst unter der Annahme, dass es am Ende irgendwie für Dich persönlich rentabel ausgeht, stelle ich mir die Frage, ob es wirklich das ist, was Coaching- und Beratungskunden wirklich brauchen und suchen: Einen digitalen Ratgeber !?

Wie Du vielleicht weißt, bin ich selbst Coach und habe jahrelang als Trainer und Organisationsentwickler gearbeitet. Insofern traue ich mir eine fundierte Einschätzung zu der Frage zu, ob ein Videokurs wirklich das ist, was ein ernsthaft an einer Transformation interessierter Mensch sucht und ich glaube: Nein !

Natürlich kann man hier argumentieren, dass Menschen, die einen Coach suchen, aber nicht in Form von digitalen Ratgebern dann eben nicht zur eignen Zielgruppe gehören….

Das muss ein jeder fachlich mit sich selbst austragen, aber zu meinem Verständnis von “Coaching als “personenbezogenem, interaktiven, systemischem Prozess mit der Dynamik der Interaktion von Coach & Klient” passt das nicht zusammen.

Soll ich mich nun auf so ein System einlassen ?

Ich gestehe: Ich habe dir mit diesem Artikel die Entscheidung dafür “automatisiert Geld zu verdienen” nicht gerade schmackhaft gemacht. Wie Du vielleicht merkst, bin ich bei diesem Thema aber nicht unparteiisch.

Es wäre aber auch zu platt zu sagen: “Das funktioniert nicht !”

Bei der Frage, ob Du Dich auf ein solches System einlassen kannst, möchte ich Dir gerne folgende Anstöße mitgeben:

  1. Das Umsatzsystem kann tatsächlich theoretisch funktionieren; es muss halt alles rechtssicher gestaltet sein (da sind die Hürden sehr hoch) und die gesamte Kette von Produkt zu Akquise muss nahezu perfekt und auf lange Dauer angelegt und finanziert sein. Rechne mal vorsichtig mit mindestens mit unteren bis mittleren EUR-Beträgen, bis der erste Auftrag einfliegt (also alles in allem ab 10.000 EUR für Erstellung, Beratung und das entsprechende Marketing) und einem sehr großen Arbeitseinsatz für die Erstellung der Inhalte.
  2. Prüfe mal, ob du wirklich der Typ dazu bist und die einzelnen Tätigeiten dieses Systems auch wirklich Dein Ding sind.

Wenn Dir der hinter diesem System stehende Aufwand wirklich bewusst ist und Du die finanzielle und mentale Ausdauer besitzt, Dein “automatisiertes” System ständig zu befeuern, dann kann es funktionieren.

Ansonsten rate ich Dir, eher die Abkürzungen zu nehmen und den Weg von “Suche bei Google & Co.” zum Verkauf zu verkürzen.

Wie das geht, erfährst Du natürlich in meiner Beratung (Das wundert Dich nun aber nicht wirklich, oder ?) :-).